Wo drückt den Sozialverbänden der Schuh? Mein Besuch bei AWO und VdK

Wo drückt den Sozialverbänden der Schuh? Mein Besuch bei AWO und VdK

Ein­fach mal sagen, wo der Schuh am meis­ten drückt und was die drän­gends­ten Pro­ble­me in der täg­li­chen Arbeit sind. Das soll­ten die Ver­ant­wort­li­chen ver­schie­de­ner Arbeits­be­rei­che der Arbei­ter­wohl­fahrt (AWO) Dach­au sowie des VdK Fürs­ten­feld­bruck bei mei­nem Besuch im Febru­ar.

Bei der AWO ging es zunächst um das Frau­en­haus, das vor allen Din­gen unter zu weni­gen Plät­zen und einer aus­ufern­den Büro­kra­tie lei­det. Die Ver­ant­wort­li­chen for­dern einen Rechts­an­spruch auf einen Platz im Frau­en­haus. Der Bedarf an Plät­zen wird noch nach Ein­woh­ner­zah­len aus Anfang der 1990er Jah­re berech­net. Das bedarf drin­gend einer Anpas­sung!

In der Schul­kin­der­be­treu­ung man­gelt es an einer adäqua­ten Finan­zie­rung von Mit­tags­be­treu­ung und Ganz­tags­kon­zep­ten und in der Klein­kin­der­be­treu­ung fürch­ten die Ver­ant­wort­li­chen, dass die Gel­der aus dem kürz­lich ver­ab­schie­de­ten „Gute-Kitas-Gesetz“ zur Bei­trags­sen­kung ver­wen­det wer­den, statt zur Ver­bes­se­rung der Qua­li­tät. Die Ver­tei­lung der Gel­der obliegt den Län­dern. Wir wer­den aber in Zukunft stär­ker dar­auf ach­ten, dass die Gel­der auch wirk­lich dem Bestim­mungs­zweck zuge­führt wer­den, also auch der Qua­li­täts­ver­bes­se­rung. Eine Chan­ce könn­ten auch Bun­des­pro­gram­me sein, die bereits jetzt einen guten Bei­trag leis­ten.

Die ambu­lan­te Pfle­ge lei­det in ers­ter Linie dar­un­ter, dass „alle Ver­hand­lungs­macht bei den Kran­ken­kas­sen liegt. Hier hat die Poli­tik kaum noch Ein­fluss“, wie Wieb­ke Kap­paun von der AWO bemän­gelt. Auch die Büro­kra­tie neh­me immer mehr zu, was gera­de in der ambu­lan­ten Pfle­ge zu gro­ßen Pro­ble­men füh­re. „Da wer­den ver­ord­ne­te Hilfs­mit­tel im Nach­hin­ein abge­lehnt, obwohl wir sie natür­lich bereits im Ein­satz haben“, so Kap­paun.

Im Mehr­ge­ne­ra­tio­nen­haus in Dach­au, das eben­falls von der AWO getra­gen wird, sind der­zeit über 160 Ehren­amt­li­che in Pro­jek­ten für Senio­ren, Fami­li­en und Schü­ler aktiv. Dabei ist im Wesent­li­chen die Finan­zie­rung pro­ble­ma­tisch und müss­te drin­gend ange­passt wer­den. Es kann nicht sein, dass schon Mehr­ge­ne­ra­tio­nen­häu­ser auf­grund der kom­pli­zier­ten Finan­zie­rungs­bü­ro­kra­tie und Strei­tig­kei­ten zwi­schen Land und Kom­mu­nen wie­der schlie­ßen muss­ten. Hier­zu möch­te ich im Fami­li­en­mi­nis­te­ri­um nach­ha­ken.

Um die The­men Ren­te und Arbeit ging es bei mei­nem Gespräch mit VdK-Kreis­vor­sit­zen­dem Roland Mül­ler und Kreis­ge­schäfts­füh­rer Felix Hech­tel. Dabei gab es Zustim­mung zur Idee der Grund­ren­te. Denn auch in den Land­krei­sen Fürs­ten­feld­bruck und Dach­au nimmt die Alters­ar­mut zu. Die pri­va­te Vor­sor­ge greift bei vie­len Men­schen nicht, dar­um brau­chen wir die Stär­kung der soli­da­ri­schen, gesetz­li­chen Ren­te und eine garan­tier­te Ren­te über dem Grund­si­che­rungs­ni­veau für Men­schen, die jahr­zehn­te­lang gear­bei­tet haben.

Eine aus­rei­chen­de Ren­te ist zudem nur dann garan­tiert, wenn die Löh­ne ent­spre­chend hoch sind und Voll­zeit­ar­beits­plät­ze ange­bo­ten wer­den. Den zu gro­ßen deut­schen Nied­rig­lohn­sek­tor müs­sen wir gesetz­lich ein­schrän­ken und gera­de die öffent­li­che Hand muss bei den Löh­nen mit gutem Bei­spiel vor­an gehen. In Bay­ern benö­ti­gen wir daher drin­gend ein Tarif­treue­ge­setz.