Schrodi in Karlsruhe

Schrodi in Karlsruhe

Als finanz­po­li­ti­scher Spre­cher ver­trat Micha­el Schro­di am Diens­tag die SPD-Bun­des­tags­frak­ti­on vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in Karls­ru­he – wegen einer Kla­ge von FDP-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten.

In sei­ner Funk­ti­on als finanz­po­li­ti­scher Spre­cher der SPD-Bun­des­tags­frak­ti­on hat der Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Micha­el Schro­di am Diens­tag sei­ne Frak­ti­on vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in Karls­ru­he ver­tre­ten. Das höchs­te deut­sche Gericht hat über die Fra­ge ver­han­delt, ob der Soli­da­ri­täts­zu­schlag in sei­ner aktu­ell gel­ten­den Form noch mit dem Grund­ge­setz der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ver­ein­bar ist.

Die Steu­er­ein­nah­men aus den Soli für 2025 wer­den auf rund 13 Mil­li­ar­den Euro geschätzt. Wür­de das Ver­fas­sungs­ge­richt den Soli für nicht ver­fas­sungs­ge­mäß erklä­ren, wür­den im Bun­des­haus­halt wei­te­re 13 Mil­li­ar­den Euro feh­len. Zur Gegen­fi­nan­zie­rung hat­te der gera­de abge­lös­te Finanz­mi­nis­ter Chris­ti­an Lind­ner (FDP) vor­ge­schla­gen, dafür die Ren­ten zu kür­zen sowie Mit­tel für die Kom­mu­nen und für Inves­ti­tio­nen – zum Bei­spiel für Schu­len und Kitas. Nicht zuletzt die­se unso­zia­len Vor­schlä­ge haben zur Ent­las­sung des Finanz­mi­nis­ters durch Bun­des­kanz­ler Olaf Scholz (SPD) geführt.

Schro­di hat vor dem Gericht die­se Ergän­zungs­ab­ga­be ver­tei­digt. „Es ist wei­ter­hin gerecht und not­wen­dig, dass die obe­ren 10 Pro­zent der Ein­kom­men über den Soli einen grö­ße­ren Bei­trag für das All­ge­mein­wohl leis­ten als unte­re und mitt­le­re Ein­kom­men. Der Bund hat wei­te­re Finan­zie­rungs­be­dar­fe, die durch die Ergän­zungs­ab­ga­be finan­ziert wer­den müs­sen: Inves­ti­tio­nen in Ver­tei­di­gung, Bil­dung, Bahn, Auto­bah­nen, Brü­cken usw. Wenn auch Fried­rich Merz und die CDU/CSU die Abschaf­fung des Solis for­dern, bedeu­tet dies har­te Ein­schnit­te und Ein­spa­run­gen bei Bür­ge­rin­nen und Bür­gern mit unte­ren und mitt­le­ren Ein­kom­men, wäh­rend die aller­höchs­ten Ein­kom­men ent­las­tet wer­den.“

Zur Erin­ne­rung: Mit Wir­kung zum 1. Janu­ar 2021 hat die dama­li­ge Gro­ße Koali­ti­on aus CDU/CSU und SPD unter dem dama­li­gen Finanz­mi­nis­ter Olaf Scholz den Soli­da­ri­täts­zu­schlag für 90 % der Steu­er­zah­ler abge­schafft. In einer der größ­ten Steu­er­ent­las­tun­gen jemals ist die gro­ße Mehr­heit der Steu­er­zah­ler und Steu­er­zah­le­rin­nen um rund 11 Mil­li­ar­den Euro jähr­lich ent­las­tet wor­den. Ledig­lich die 10 Pro­zent höchs­ten Ein­kom­men bezah­len den soge­nann­ten Soli noch, nur 3,5 Pro­zent den vol­len Satz. Im Jahr 2023 muss­te man über ein monat­li­ches Brut­to­ein­kom­men von 6.647 Euro (Allein­ver­die­ner) oder 12.130 (Ehe­paa­re) ver­fü­gen, um durch­schnitt­lich unter 5,5 Pro­zent auf die Steu­er­schuld als Soli bezah­len zu müs­sen. Erst ab über 9.000 (Allein­ver­die­ner) und über 17.000 Euro (Zusam­men­ver­an­la­gung) monat­li­chem Ein­kom­men wird der vol­le Satz von 5,5 Pro­zent auf die Steu­er­schuld fäl­lig.

Trotz die­ser mas­si­ven Steu­er­ent­las­tung für unte­re und mitt­le­re Ein­kom­men hat­ten damals sechs FDP-Abge­ord­ne­te gegen den Soli geklagt, dar­un­ter der aktu­el­le Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de Chris­ti­an Dürr und die gera­de erst abge­lös­ten Finanz­staats­se­kre­tä­re Kat­ja Hes­sel und Flo­ri­an Ton­car. Sie hiel­ten den Fort­be­stand der Ergän­zungs­ab­ga­be für die 10 Pro­zent der obers­ten Ein­kom­men für unge­recht und nicht ver­fas­sungs­ge­mäß. Sie haben die­se Kla­ge auch nicht zurück­ge­zo­gen, wäh­rend sie Teil der Ampel-Koali­ti­on oder der Bun­des­re­gie­rung waren, obwohl sie wuss­ten, dass das Ende des Soli wei­te­re gro­ße Lücken im Haus­halt zur Fol­ge hät­te.

Micha­el Schro­di: „Wir blei­ben bei dem Grund­satz, dass die obers­ten Ein­kom­men einen grö­ße­ren Bei­trag zur Finan­zie­rung von Infra­struk­tur und Inves­ti­tio­nen leis­ten kön­nen und müs­sen. Des­halb hal­ten wir am Soli­da­ri­täts­bei­trag für die­se Ein­kom­men fest. Es ist eine Ergän­zungs­ab­ga­be, die völ­lig zu Recht an der steu­er­li­chen Leis­tungs­fä­hig­keit ansetzt. Wir dür­fen nicht spa­ren zulas­ten der Schwä­che­ren oder die Finan­zie­rung über Ver­brauch­steu­ern decken, die vor allem unte­re und mitt­le­re Ein­kom­men trifft.“