Faktencheck I zu „Jetzt red i“ (BR am 27.11.2024)

Faktencheck I zu „Jetzt red i“ (BR am 27.11.2024)

Jetzt red i: In Zei­ten lee­rer Kas­sen - Was kön­nen wir uns noch leis­ten - hier anschau­en

Der baye­ri­sche Finanz­mi­nis­ter Albert Für­a­cker (CSU) behaup­tet, es gebe in Bay­ern einen „Rück­gang der Steu­er­ein­nah­men“

Am 25. Okto­ber 2024 ver­öf­fent­lich­ten die baye­ri­sche Staats­re­gie­rung und das baye­ri­sche Finanz­mi­nis­te­ri­um eine Pres­se­mit­tei­lung mit der Über­schrift: „Für­a­cker: wei­te­rer Rück­gang der Steu­er­ein­nah­men in Bay­ern – Ampel­cha­os befeu­ert wirt­schaft­li­chen Abstieg Deutsch­lands. Regio­na­li­sier­te Steu­er­schät­zung pro­gnos­ti­ziert Frei­staat ein wei­te­res Minus von rund 0,9 Mil­li­ar­den Euro für 2025 // Kei­ner­lei finan­zi­el­le Spiel­räu­me für neue Mehr­aus­ga­ben“.

Die „Jetz red i“-Sendung des Baye­ri­schen Rund­funks (BR) am 27.11.2024 stand dem­entspre­chend steht unter der Über­schrift: In Zei­ten lee­rer Kas­sen - Was kön­nen wir uns noch leis­ten?

In der Sen­dung sag­te der Baye­ri­sche Finanz­mi­nis­ter wört­lich: „… Steu­er­ein­nah­men gehen zurück…“ (ab Minu­te 17:10).

Fakt ist: Die Steu­er­ein­nah­men 2024 und 2025 – und in den Fol­ge­jah­ren – stei­gen um durch­schnitt­lich 3,5 Pro­zent an

  • Nach der Steu­er­schät­zung vom Okto­ber 2024 lie­gen die bun­des­weit für 2024 pro­gnos­ti­zier­ten Steu­er­ein­nah­men um 25,8 Mil­li­ar­den Euro über denen von 2023, das sind 2,8 % mehr.
  • Die für 2025 vor­her­ge­sag­ten Steu­er­ein­nah­men lie­gen um 40,8 Mil­li­ar­den Euro (4,3 %) über denen des Vor­jah­res.
  • Die letz­te Steu­er­schät­zung hält fest: „Für die gesamt­staat­li­chen Steu­er­ein­nah­men wird im Schätz­zeit­raum aus­ge­hend von 915,9 Mrd. Euro im Jahr 2023 ein Anstieg bis zum Jahr 2029 auf 1.133,8 Mrd. Euro erwar­tet. Aus­ge­hend vom vor­an­ge­gan­ge­nen Ist-Jahr 2023 liegt die durch­schnitt­li­che jähr­li­che Zuwachs­ra­te im Schätz­zeit­raum somit etwas über 3 ½ Pro­zent.“

Die Steu­er­ein­nah­men stei­gen auch in Bay­ern wei­ter an

  • Auch im von der baye­ri­schen Staats­re­gie­rung aktu­ell ange­kün­dig­ten Nach­trags­haus­halt für das Jahr 2025 sind mit 57,4 Mil­li­ar­den Euro Steu­er­ein­nah­men 1,1 Mil­li­ar­den Euro Mehr­ein­nah­men gegen­über 2024 vor­ge­se­hen.

Ledig­lich die hohen Erwar­tun­gen der Steu­er­schät­zung wur­den auf­grund der schwa­chen Wirt­schafts­dy­na­mik nach unten kor­ri­giert. Laut einer Schät­zung vom Mai 2024 wird statt eines Ein­nah­me­plus gegen­über dem Vor­jahr für 2024 von 34,5 Mrd. Euro (+ 3,8 %) und für 2025 von 44,9 Mrd. Euro (+ 4,7 %) nur Mehr­ein­nah­men für 2024 von 25,8 Mrd. Euro (+ 2,8 %) und für 2025 von 40,8 Mrd. Euro (+ 4,3 %) erwar­tet.

Für die­se deut­li­che Kor­rek­tur der Erwar­tun­gen nach unten führt die Steu­er­schät­zung aus: „Die­se ist vor allem auf die gedämpf­te Ein­nah­me­ent­wick­lung und die schwä­che­re kon­junk­tu­rel­le Ent­wick­lung im lau­fen­den Jahr zurück­zu­füh­ren.“

Der ver­min­der­te Anstieg der Steu­er­ein­nah­men ist auch dar­auf zurück­zu­füh­ren, dass die Ampel­re­gie­rung ins­ge­samt rund 50 Mil­li­ar­den Euro an Steu­er­ent­las­tun­gen beschlos­sen hat. Allein das Infla­ti­ons­aus­gleichs­ge­setz vom Dezem­ber 2022 schlägt hier mit einer vol­len Jah­res­wir­kung von 33 Mil­li­ar­den Euro jähr­lich zu Buche. Mit die­sem Gesetz wur­de die soge­nann­te kal­te Pro­gres­si­on nicht nur aus­ge­gli­chen, son­dern sogar über­kom­pen­siert. Davon pro­fi­tie­ren ins­be­son­de­re die höchs­ten Ein­kom­men.

Fazit:

  • Es ist unver­ant­wort­lich und unred­lich, von lee­ren Kas­sen, sin­ken­den Steu­er­ein­nah­men oder Steu­er­aus­fäl­len zu reden, nur weil die erwar­te­ten Meh­r­ei­nah­men gerin­ger aus­fal­len als erhofft.
  • Es grenzt an Voo­doo-Glau­ben, wenn man aus­blen­det, dass die von der Ampel-Koali­ti­on beschlos­se­nen Steu­er­erleich­te­run­gen für die Steu­er­zah­ler und Steu­er­zah­le­rin­nen in Höhe von rund 50 Mil­li­ar­den Euro nicht auch zu einem gerin­ge­ren Anstieg der Steu­er­ein­nah­men füh­ren.
  • Das bewuss­te Schlecht­re­den führt zusätz­lich zu einer Ver­un­si­che­rung der Men­schen und in der Wirt­schaft.

Unter der Rubrik "Im Fokus" möch­te ich nach­weis­li­che Falsch­be­haup­tun­gen, Schlecht­re­de­rei­en und unter­schwel­li­ge Nar­ra­ti­ve gera­de­rü­cken, sofern sie in mei­nem Arbeits­be­reich im Bun­des­tag lie­gen. Wich­tig ist mir dabei, ganz ein­fach beleg­ba­re Fak­ten spre­chen zu las­sen.