Lust auf morgen: Vier Thesenpapiere der 12 neuen SPD-Abgeordneten zum Erneuerungsprozess

Lust auf morgen: Vier Thesenpapiere der 12 neuen SPD-Abgeordneten zum Erneuerungsprozess

Die 12er-Gruppe
Fal­ko Mohrs, Mar­ja-Liisa Völ­lers, Timon Grem­mels, Siemt­je Möl­ler, Elvan Kork­maz, Hel­ge Lindh, Eli­sa­beth Kai­ser, Wieb­ke Esdar, Johan­nes Schraps, Jose­phi­ne Ort­leb, Man­ja Schü­le, Micha­el Schro­di (Foto: Pat Röh­ring)

Mit­te März haben wir uns als 12 neue Abge­ord­ne­te der SPD-Bun­des­tags­frak­ti­on mit einem The­sen­pa­pier zum Erneue­rungs­pro­zess der Sozi­al­de­mo­kra­tie zu Wort gemel­det. Die gro­ße Reso­nanz hat uns über­rascht, die vie­len posi­ti­ven Reak­tio­nen haben uns gefreut und bestä­tigt.

Par­tei­en erneu­ern sich stän­dig, es gibt kei­nen Anfangs- und vor allem kei­nen End­punkt sol­cher Pro­zes­se. Den­noch ist nach dem schlech­ten Ergeb­nis bei der letz­ten Bun­des­tags­wahl und eini­gen Nie­der­la­gen bei Land­tags­wah­len klar, dass sich die Sozi­al­de­mo­kra­tie neu auf­stel­len muss.

In Deutsch­land, Euro­pa und der Welt erstar­ken natio­na­lis­ti­sche und ras­sis­ti­sche Kräf­te, die unse­re Demo­kra­tie und unse­ren Sozi­al­staat ableh­nen. Wir Sozi­al­de­mo­kra­tin­nen und Sozi­al­de­mo­kra­ten waren und sind das Boll­werk für Demo­kra­tie, Soli­da­ri­tät und Frei­heits­rech­te. Um dies auch in Zukunft wir­kungs­voll sein zu kön­nen, brau­chen wir in die­sen Zei­ten eine kul­tu­rel­le und vor allem inhalt­li­che Neu­be­stim­mung sozi­al­de­mo­kra­ti­scher Poli­tik.

Der von der Par­tei beschlos­se­ne Erneue­rungs­pro­zess eröff­net nun allen Mit­glie­dern die Mög­lich­keit, sich aktiv bei die­ser Auf­ga­be ein­zu­brin­gen. Auch wir wol­len dies mit den vor­lie­gen­den Papie­ren tun. Dabei geht es uns nicht dar­um, fer­ti­ge und voll­stän­di­ge Ant­wor­ten auf die drän­gen­den Fra­gen unse­rer Zeit zu geben. Wir wol­len mit unse­ren The­sen­pa­pie­ren die Dis­kus­si­on in unse­rer Par­tei berei­chern, Anre­gun­gen geben, Ideen for­mu­lie­ren und so dafür sor­gen, dass wir Sozi­al­de­mo­kra­tin­nen und Sozi­al­de­mo­kra­ten aus die­sem ange­sto­ße­nen Pro­zess lang­fris­tig gestärkt her­vor­ge­hen.

Wachs­tum für alle: Wohl­stand, Wachs­tum, Wert­schöp­fung – der sozi­al­de­mo­kra­ti­sche Weg

Wir for­dern:

  • Ein Gesetz zur Stär­kung der öffent­li­chen Infra­struk­tur. Die Fest­le­gung einer jähr­li­chen Min­dest­in­ves­ti­ti­ons­quo­te für die nächs­ten 10 Jah­re.
  • Eine Neu­be­le­bung des Leis­tungs­be­griffs: Eine euro­päi­sche Finanz­trans­ak­ti­on­steu­er, die Wie­der­ein­füh­rung der Ver­mö­gen­steu­er, das Umset­zen einer wirk­sa­men Erb­schaft­steu­er und eine gerech­te Besteue­rung welt­weit agie­ren­der Unter­neh­men.
  • Woh­nen als neue sozia­le Fra­ge: Mehr öffent­li­chen Woh­nungs­bau statt eines unüber­seh­ba­ren Spiels der Kräf­te. Abschöp­fung leis­tungs­lo­ser Gewin­ne, zum Bei­spiel durch eine Boden­wert­zu­wachs­steu­er. Spe­ku­la­tio­nen ver­hin­dern; eine neue Gemein­nüt­zig­keit.

Das kom­plet­te Papier mit unse­ren For­de­run­gen fin­den Sie hier: The­sen­pa­pier: Wachs­tum, Wohl­stand, Wert­schöp­fung

Arbeit von Mor­gen: Wie wol­len wir in Zukunft arbei­ten? Die Arbeit von Mor­gen gestal­ten

Wir for­dern:

  • In Deutsch­land muss der Min­dest­lohn auf min­des­tens 12 Euro pro Stun­de ange­ho­ben wer­den. Lang­fris­tig muss ein euro­päi­scher Min­dest­lohn ein­ge­führt wer­den.
    *Das Exis­tenz­mi­ni­mum – wel­ches einer lebens­rea­li­täts­na­hen und trans­pa­ren­ten Neu­be­rech­nung unter­zo­gen wer­den muss – darf auch nicht durch Sank­tio­nen unter­schrit­ten wer­den. Viel­mehr müs­sen Anrei­ze geschaf­fen wer­den, um der Erwerbs­lo­sig­keit zu ent­kom­men. Das Modell des bedin­gungs­lo­sen Grund­ein­kom­mens leh­nen wir ab.
  • Die all­ge­mei­ne Arbeits­zeit muss bei vol­lem Lohn­aus­gleich auf 35 Wochen­stun­den redu­ziert und durch Mög­lich­kei­ten einer Fami­li­en­ar­beits­zeit sowie durch die Brü­cken­teil­zeit ergänzt wer­den. Wei­te­re Model­le zur befris­te­ten Redu­zie­rung der Wochen­ar­beits­zeit – wie bei­spiels­wei­se die zwei­jäh­rig befris­te­te 28-Stun­den-Woche der IG-Metall – unter­stüt­zen wir.

Das kom­plet­te Papier mit unse­ren For­de­run­gen fin­den Sie hier: The­sen­pa­pier: Arbeit von mor­gen

Neu­es Mit­ein­an­der: Ein bür­ger­freund­li­cher Staat, der Sicher­heit und sozia­le Teil­ha­be ermög­licht

Wir for­dern:

  • Die soli­da­ri­sche, gesetz­li­che Ren­ten­ver­si­che­rung muss wie­der der Kern unse­res Ren­ten­sys­tems wer­den. Wir brau­chen eine euro­päi­sche Debat­te zur Stär­kung der soli­da­ri­schen Absi­che­rung im Alter statt wei­te­rer Pri­va­ti­sie­rung und Erhö­hung des Ren­ten­ein­tritts­al­ters.
  • Es muss eine eigen­stän­di­ge Kin­der­grund­si­che­rung mit einem fes­ten monat­li­chen Betrag pro Kind ein­ge­führt wer­den, die dem Ein­kom­men der Eltern ent­spre­chend ver­steu­ert wird.

Das kom­plet­te Papier mit unse­ren For­de­run­gen fin­den Sie hier: The­sen­pa­pier: Bür­ger­freund­li­cher Staat

Wir in der Welt: Deutsch­lands Rol­le in einer sich rasant ver­än­dern­den Welt

Wir for­dern:

  • Deutsch­land muss sich in inter­na­tio­na­len Orga­ni­sa­tio­nen, ins­be­son­de­re der UN, kon­struk­tiv enga­gie­ren, um die­se zu stär­ken und finan­zi­el­le Bei­trags­aus­fäl­le durch den Rück­zug ande­rer Staa­ten abzu­fe­dern.
  • Deutsch­land muss zwi­schen den EU-Mit­glieds­staa­ten ver­mit­teln, um für die aktu­ell bestehen­den Dif­fe­ren­zen trag­fä­hi­ge Lösun­gen zu fin­den und eine gemein­sa­me euro­päi­sche Hal­tung nach außen zu schaf­fen.
  • Deutsch­land muss trei­ben­de Kraft für die Ver­tie­fung der Wirt­schafts- und Wäh­rungs­uni­on, den wei­te­ren Auf­bau einer Sozi­al­uni­on und die Wei­ter­ent­wick­lung der Gemein­sa­men Außen- und Sicher­heits­po­li­tik sein.

Das kom­plet­te Papier mit unse­ren For­de­run­gen fin­den Sie hier: The­sen­pa­pier: Deutsch­lands Rol­le in der Welt