Atomgesetz-Novelle

Atomgesetz-Novelle

Wir kor­ri­gie­ren die Feh­ler von Schwarz-Gelb und ver­hin­dern Lauf­zeit­ver­län­ge­run­gen.

Am 28. Juni 2018 haben wir das 16. Gesetz zur Ände­rung des Atom­ge­set­zes beschlos­sen. Als Mit­glied des Umwelt­aus­schus­ses bin froh, dass sich die SPD-Bun­des­tags­frak­ti­on und unse­re Umwelt­mi­nis­te­rin Sven­ja Schul­ze gegen die Ver­län­ge­rung von Lauf­zei­ten als Ent­schä­di­gungs­mög­lich­keit für die Ener­gie­kon­zer­ne stark gemacht haben. Statt­des­sen hal­ten wir an dem Zeit­plan für einen end­gül­ti­gen Atom­aus­stieg in Deutsch­land fest.

Die For­de­rung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts, einen Aus­gleich für die ent­wer­te­ten Inves­ti­tio­nen der Ener­gie­kon­zer­ne zwi­schen 2010 und 2011 und ihre durch den erneu­ten Atom­aus­stieg nicht mehr ver­wert­ba­ren Strom­men­gen zu schaf­fen, ist nach­voll­zieh­bar und in der Sache rich­tig. Zu kri­ti­sie­ren ist jedoch, dass die­ser finan­zi­el­le Aus­gleich über­haupt not­wen­dig gewor­den ist.

Hät­te sich die schwarz-gel­be Bun­des­re­gie­rung 2010 nicht für eine Kehrt­wen­de in der Atom­po­li­tik ent­schie­den und wäre sie nicht den For­de­run­gen der Atom­lob­by gefolgt, könn­ten wir Gel­der in schät­zungs­wei­se drei­stel­li­ger Mil­lio­nen­hö­he heu­te in die För­de­rung erneu­er­ba­rer Ener­gien und die Ent­wick­lung tech­no­lo­gi­scher Inno­va­tio­nen auf die­sem Gebiet inves­tie­ren. An der heu­ti­gen Ände­rung des Atom­ge­set­zes kann man die lang­fris­tig nega­ti­ven Fol­gen der kurz­sich­ti­gen Poli­tik der Uni­on wun­der­bar able­sen!

Um wei­te­re nega­ti­ve Aus­wir­kun­gen auf unse­re Ener­gie­wen­de-Zie­le zu ver­hin­dern, haben wir uns in den Ver­hand­lun­gen zum Gesetz­ent­wurf daher auch dafür ein­ge­setzt, dass eine Über­tra­gung von Rest­strom­men­gen der Ener­gie­kon­zer­ne in soge­nann­te Netz­aus­bau­ge­bie­te unter­bun­den wer­den soll. Hin­ter­grund dafür ist die Über­las­tung der Strom­net­ze in Nord­deutsch­land, wo durch die Rest­strom­men­gen aus den Atom­kraft­wer­ken weni­ger neu­er Wind- und Solar­an­la­gen ans Netz gehen dür­fen. Die­se For­de­rung ist aber am Wider­stand von CDU/CSU geschei­tert.

Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen:

  • 2002: die rot-grü­ne Bun­des­re­gie­rung unter Ger­hard Schrö­der (SPD) beschließt den Atom­aus­stieg Deutsch­lands und erlässt hier­für das „Gesetz zur geord­ne­ten Been­di­gung der Kern­ener­gie­nut­zung zur gewerb­li­chen Erzeu­gung von Elek­tri­zi­tät“
  • 2010: die schwarz-gel­be Bun­des­re­gie­rung unter Ange­la Mer­kel (CDU) beschließt die Ver­län­ge­rung der Lauf­zei­ten der deut­schen Kern­kraft­wer­ke und gewährt den Kern­kraft­wer­ken zusätz­li­che Elek­tri­zi­täts­men­gen
  • 2011: nach der Reak­tor­ka­ta­stro­phe von Fuku­shi­ma wird in der schwarz-gel­ben Bun­des­re­gie­rung unter Ange­la Mer­kel (CDU) die Been­di­gung der kom­mer­zi­el­len Nut­zung der Kern­ener­gie gestaf­felt bis zum Jahr 2022 beschlos­sen. Die 2010 gewähr­ten zusätz­li­chen Elek­tri­zi­täts­men­gen wer­den hier­durch wie­der ent­zo­gen. In der Zeit zwi­schen dem 28. Okto­ber 2010 (Aus­stieg vom Atom­aus­stieg) und dem 16. März 2011 (zwei­ter Atom­aus­stieg) wer­den im Glau­ben der Pla­nungs­si­cher­heit durch die betrof­fe­nen Elek­tri­zi­täts- und Ener­gie­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men Inves­ti­tio­nen getä­tigt. Nach­dem die Beschleu­ni­gung des Atom­aus­stiegs 2011 beschlos­sen wur­de, moniert das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in sei­nem Urteil 2016 das Feh­len einer Aus­gleichs­re­ge­lung für die genann­ten Inves­ti­tio­nen und die nicht mehr ver­wert­ba­ren Rest­strom­men­gen.

Die heu­ti­ge Ände­rung des Atom­ge­set­zes regelt nun den ange­mes­se­nen finan­zi­el­len Aus­gleich durch ent­spre­chen­de Anspruchs­grund­la­gen im Gesetz. Die Kos­ten, die durch die­sen Aus­gleichs­an­spruch für den Bun­des­haus­halt ent­ste­hen, sind zum jet­zi­gen Zeit­punkt noch nicht abseh­bar.

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen: Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Umwelt, Natur­schutz und nuklea­re Sicher­heit