Eine neue Wirtschafts- und Finanzpolitik zum Wohle der Vielen

Eine neue Wirtschafts- und Finanzpolitik zum Wohle der Vielen

Es ist Zeit für eine neue Wirt­schafts- und Finanz­po­li­tik. Denn zuneh­men­de gesell­schaft­li­che Wider­sprü­che unter­gra­ben das Ver­trau­en in unse­re par­la­men­ta­ri­sche Demo­kra­tie: Der Staat baut Schul­den ab, wäh­rend Stra­ßen, Schu­len und Gesund­heits­ver­sor­gung in einem immer schlech­te­ren Zustand sind und der Breit­band­aus­bau stockt. Trotz immer umwelt­freund­li­che­rer Tech­no­lo­gien sto­ßen wir zu viel CO2 aus und ver­brau­chen so vie­le Roh­stof­fe wie nie zuvor. Und wir sind eine der stärks­ten Wirt­schafts­na­tio­nen, aber die sozia­le Ungleich­heit nimmt zu.

Die­sen Wider­sprü­chen muss sich unse­re Gesell­schaft stel­len. Dabei steht für uns fest: Das neo­li­be­ra­le Modell ist geschei­tert. Daher wol­len wir eine neue Wirt­schafts­form, die mehr Sicher­heit und Teil­ha­be schafft, eine grö­ße­re Viel­falt von Eigen­tums­for­men ermög­licht und die Daseins­vor­sor­ge aus der Markt­lo­gik befreit. Das gelingt durch muti­ge Zukunfts­in­ves­ti­tio­nen und Steu­er­re­for­men. Auf die­se Wei­se wol­len wir unse­re Wirt­schaft und Gesell­schaft demo­kra­ti­sie­ren und unse­ren Staat hand­lungs­fä­hi­ger machen.

Dazu brau­chen wir ers­tens wie­der einen ver­läss­li­chen und star­ken Staat, der Frei­heit durch sozia­le Sicher­heit schafft. Daher sol­len Bür­ge­rin­nen und Bür­ger nicht nur ohne Angst vor Kri­mi­na­li­tät leben kön­nen, son­dern wir wol­len sie auch vor sozia­len und öko­no­mi­schen Lebens­ri­si­ken absi­chern. Denn Sicher­heit bedeu­tet auch die Frei­heit, ohne Angst vor sozia­lem Abstieg altern zu kön­nen; es ist die Frei­heit zu wis­sen, dass auch im Krank­heits­fall kein finan­zi­el­ler Ruin droht; die Frei­heit, in sei­nem gewohn­ten Umfeld blei­ben zu kön­nen oder in einem ande­ren einen neu­en Lebens­ab­schnitt zu begin­nen; und die Frei­heit, vor Ort Zugang zu gebüh­ren­frei­er, guter Bil­dung zu haben. Denn für uns steht fest: sozia­le Sicher­heit und wirt­schaft­li­cher Auf­schwung bedin­gen ein­an­der. Und nur wer sei­ne All­tags­ängs­te hin­ter sich las­sen kann, kann sich auch mit gan­zer Kraft in unse­rer Gesell­schaft ein­brin­gen.

Zwei­tens wol­len wir die Mit­be­stim­mungs­rech­te der Beschäf­tig­ten in allen Unter­neh­men aus­bau­en und ande­re Eigen­tums­for­men jen­seits des Pri­vat­ei­gen­tums för­dern. So darf zum einen unse­re Demo­kra­tie nicht vor den Toren der Betrie­be und Ver­wal­tun­gen enden; zum ande­ren soll der Staat aktiv unter­stüt­zen, wenn neue Ver­fah­ren erfolg­rei­chen Wirt­schaf­tens aus­pro­biert und prak­ti­ziert wer­den. Die­se Idee einer soli­da­ri­schen Öko­no­mie ver­eint alter­na­ti­ve Model­le wie Genos­sen­schaf­ten, Tausch­bör­sen oder Open-Source-Pro­gram­me. Als sol­che set­zen sie auf Selbst­ver­wal­tung, Zusam­men­ar­beit, Gemein­we­sens­ori­en­tie­rung und Demo­kra­tie.

Drit­tens darf die Daseins­vor­sor­ge nicht mehr als Melk­kuh für die Gewin­ne von Spe­ku­lan­ten miss­braucht wer­den. Das betrifft die Ver­sor­gung mit Stra­ßen und Schie­nen, mit Was­ser, Strom und Inter­net, eine wohn­ort­na­he Gesund­heits­ver­sor­gung und den Woh­nungs­markt. Des­halb soll die Ren­di­te dort gede­ckelt wer­den, wo Daseins­vor­sor­ge pri­vat­wirt­schaft­lich orga­ni­siert ist. So bleibt Ren­di­te zwar wei­ter­hin mög­lich, gleich­zei­tig wer­den aber nach­hal­ti­ge Inves­ti­tio­nen erleich­tert. In der sozia­len Für­sor­ge sol­len gemein­wohl­ori­en­tier­te Ver­bän­de und der Staat die ein­zi­gen und bes­ten Anbie­ter wer­den und sein. Denn wir wol­len die Schwächs­ten unse­rer Gesell­schaft vor dem Wett­be­werb schüt­zen und des­halb dür­fen öffent­li­che Dienst­leis­tun­gen nicht aus rein betriebs­wirt­schaft­li­chen Gesichts­punk­ten beur­teilt wer­den.

Vier­tens wol­len wir einen hand­lungs­fä­hi­gen Staat schaf­fen durch ein groß ange­leg­tes Inves­ti­ti­ons­pro­gramm und eine inves­ti­ti­ons­ori­en­tier­te Ein­nah­men­po­li­tik, an deren Spit­ze die Fra­ge steht: wie soll sich unse­re Gesell­schaft ent­wi­ckeln und wel­che finan­zi­el­len Mit­tel benö­ti­gen wir für die­se Zie­le? Dafür stre­ben wir ein auf 20 Jah­re kon­junk­tur­un­ab­hän­gig aus­ge­rich­te­tes „Inves­ti­ti­ons­pa­ket 2040“ des Bun­des im Gesamt­um­fang von einer Bil­li­on Euro an: Die in der Haus­halts­pla­nung vor­ge­se­he­nen knapp 40 Mil­li­ar­den Euro für Inves­ti­tio­nen wol­len wir regel­mä­ßig erhö­hen und bis 2040 auf 60 Mil­li­ar­den Euro jähr­lich stei­gern. Gemein­sam mit Län­dern und Kom­mu­nen, die dies pla­ne­risch und admi­nis­tra­tiv mit umset­zen, aber auch Impul­se set­zen sol­len, wol­len wir die Mit­tel ziel­ge­rich­tet ein­set­zen. So leis­ten wir einen ent­schei­den­den Bei­trag, um die Net­to­in­ves­ti­ti­ons­quo­te zu erhö­hen und nicht nur allein den Ver­schleiß unse­rer Infra­struk­tur aus­zu­glei­chen. Dabei gilt mehr denn je die Gol­de­ne Regel aus der Volks­wirt­schafts­leh­re: Öffent­li­che Inves­ti­tio­nen sol­len auch durch Kre­di­te finan­ziert wer­den kön­nen. In Zei­ten von nega­ti­ven Zin­sen umso mehr. Das stärkt Wirt­schafts­wachs­tum und Gene­ra­tio­nen­ge­rech­tig­keit. Denn bis­her erle­ben wir ein abschnü­ren­des Kor­sett, das einer­seits „Schwar­ze Null“ und Schul­den­brem­se set­zen sowie ande­rer­seits ein im Koali­ti­ons­ver­trag selbst auf­er­leg­tes Ver­bot für höhe­re Steu­er­ein­nah­men. Jedoch erhö­hen öffent­li­che Inves­ti­tio­nen den gemein­sa­men Kapi­tal­stock, beschleu­ni­gen die öko­lo­gi­sche Moder­ni­sie­rung der Wirt­schaft und schaf­fen höhe­re Pro­duk­ti­vi­tät und Wachs­tum. Davon pro­fi­tie­ren auch zukünf­ti­ge Gene­ra­tio­nen, die dies über den Schul­den­dienst mit­fi­nan­zie­ren. Das ist gene­ra­tio­nen­ge­recht und zukunfts­ge­rich­tet.

Fünf­tens kann nur eine leis­tungs­ge­rech­te Steu­er­be­tei­li­gung aller dazu bei­tra­gen, dass Inves­ti­tio­nen und Inno­va­tio­nen zu einem höhe­ren Lebens­stan­dard für alle füh­ren. Dazu ist eine Ver­mö­gen­steu­er mit pro­gres­si­ver Aus­ge­stal­tung eben­so not­wen­dig wie eine effek­ti­ve Besteue­rung von Mil­lio­nen-Erb­schaf­ten und eine Boden­wert­zu­wachs­steu­er, um leis­tungs­lo­se Boden­wert­stei­ge­run­gen an die Gesell­schaft zurück­zu­ge­ben. Auch wol­len wir sämt­li­che Finanz­trans­ak­tio­nen besteu­ern sowie Kapi­tal­ein­künf­te kon­se­quent nach dem Ein­kom­men­steu­er­satz behan­deln. Ein Ende des Soli­da­ri­täts­zu­schla­ges auch für die obe­ren zehn Pro­zent der Ein­kom­mens­be­zie­hen­den kann es dann geben, wenn die­ser Per­so­nen­kreis einen ent­spre­chend höhe­ren Bei­trag in der Ein­kom­men­steu­er leis­tet. Und schließ­lich erfor­dert das digi­ta­le Zeit­al­ter, Digi­tal­un­ter­neh­men end­lich zu besteu­ern und die grenz­über­schrei­ten­de Steu­er­ver­mei­dung zu been­den. Denn es darf nicht län­ger sein, dass die Gewinn- und Ver­mö­gen­steu­ern nur ein Fünf­tel zum gesam­ten Steu­er­auf­kom­men bei­tra­gen, wäh­rend zusätz­lich vie­le gro­ße Kon­zer­ne aggres­si­ve Steu­er­ver­mei­dungs­stra­te­gien nut­zen. Hin­zu kommt, dass in den letz­ten Jahr­zehn­ten die Rei­chen finan­zi­ell geschont und ent­las­tet wur­den, oft auf Kos­ten der Men­schen mit nied­ri­gen und mitt­le­ren Ein­kom­men. Die­sen Trend wol­len wir umkeh­ren.

Das sind fünf Leit­li­ni­en einer Wirt­schafts- und Finanz­po­li­tik, die auf den sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Wer­ten der Frei­heit, Gerech­tig­keit und Soli­da­ri­tät beru­hen. Die­se ist nicht nur sozi­al not­wen­dig, son­dern auch öko­no­misch sinn­voll und finan­zi­ell mach­bar. Damit es end­lich wie­der um das Wohl der Vie­len und nicht die Pro­fi­te der Weni­gen geht.

Nach­le­sen kön­nen Sie dies alles in unse­rem Papier Wirt­schafts- und Finanz­po­li­tik.