Rente mit 68 mit der SPD nicht zu machen!

Rente mit 68 mit der SPD nicht zu machen!

Die Vor­schlä­ge zur Ren­te mit 68 wären vor allem für Men­schen in kör­per­lich und psy­chisch for­dern­den Beru­fen eine dreis­te Ren­ten­kür­zung und öko­no­misch unsin­nig.

Eine dyna­mi­sche Kopp­lung des Ren­ten­al­ters an die stei­gen­de Lebens­er­war­tung sei unum­gäng­lich, schreibt der wis­sen­schaft­li­che Bei­rat beim CDU-geführ­ten Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um in sei­nem am Mon­tag ver­öf­fent­lich­ten Gut­ach­ten mit Vor­schlä­gen für eine Reform der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung. Die­se Ver­öf­fent­li­chung kommt nicht ohne die Rücken­de­ckung des CDU-Minis­ters und der CDU/C­SU-Frak­ti­on. Micha­el Schro­di, SPD-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ter für Dach­au und Fürs­ten­feld­bruck ver­ur­teilt den Vor­schlag scharf, das Ren­ten­ein­tritts­al­ter bis 2042 auf 68 Jah­re anzu­he­ben:

"Der Vor­schlag ist unso­zi­al und voll­kom­men aus der Zeit gefal­len. Ges­tern noch haben wir die Leis­tungs­trä­ge­rin­nen und Leis­tungs­trä­ger die­ser Kri­se hoch­ge­lobt und heu­te will man ihnen an die oft ohne­hin schon klei­ne Ren­te."

Das gesun­ke­ne Ren­ten­ni­veau und das kon­ti­nu­ier­lich stei­gen­de Ren­ten­ein­tritts­al­ter füh­ren schon jetzt dazu, dass die Men­schen durch­schnitt­lich spä­ter in Ren­te gehen als frü­her. „Das schlägt sich jedoch nicht in höhe­ren Ren­ten nie­der, son­dern führt für vie­le zu Ver­schlech­te­run­gen, weil sie mit Abschlä­gen in eine vor­zei­ti­ge Ren­te gehen müs­sen oder die Zeit vor dem Ren­ten­be­ginn nur mit län­ge­rer Arbeits­lo­sig­keit über­brü­cken kön­nen“, erklärt Schro­di, Spre­cher der Arbeits­grup­pe Ver­tei­lungs­ge­rech­tig­keit der SPD-Frak­ti­on. In Dach­au und Fürs­ten­feld­bruck ist die Zahl der Rent­ne­rin­nen und Rent­ner, die Grund­si­che­rung im Alter bezie­hen, in den letz­ten zehn Jah­ren um ein Vier­tel ange­stie­gen. „Beson­ders betrof­fen sind Men­schen in kör­per­lich und psy­chisch for­dern­den Beru­fen, die häu­fig ein­fach nicht so lan­ge arbei­ten kön­nen. Für sie bedeu­tet jede Anhe­bung des Ren­ten­ein­tritts­al­ters de fac­to eine Ren­ten­kür­zung.“ Hin­zu kommt: „Es gibt dra­ma­ti­sche Unter­schie­de bei der Lebens­er­war­tung. Men­schen mit nied­ri­gem Ein­kom­men ster­ben auch signi­fi­kant frü­her, haben also weni­ger von ihrer Ren­te“, so Schro­di.,

Der wis­sen­schaft­li­che Bei­rat des Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­ums begrün­det sei­ne For­de­rung nach einem höhe­ren Ren­ten­al­ter mit ver­schärf­ten Finan­zie­rungs­pro­ble­men der gesetz­li­chen Ren­te durch die stei­gen­de Lebens­er­war­tung. Micha­el Schro­di hält das für falsch:

"Eine gute Ren­ten­po­li­tik beginnt nicht beim Ren­ten­ein­tritts­al­ter, son­dern am Arbeits­markt. Die zukünf­ti­gen Ren­ten­hö­hen hän­gen davon ab, wie vie­le der heu­te jun­gen Men­schen in guten Arbeits­ver­hält­nis­sen und mit guten Löh­nen am Erwerbs­le­ben betei­ligt sind."

Zu den wich­ti­gen Stell­schrau­ben gehö­ren Schro­di zufol­ge ein höhe­rer Min­dest­lohn, die Stär­kung von tarif­ge­bun­de­ner und sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ger Arbeit und bes­se­re Bedin­gun­gen für die Ver­ein­bar­keit von Fami­lie und Beruf.

Auch das Argu­ment des demo­gra­fi­schen Wan­dels lässt Schro­di nicht gel­ten: „Hohe Beschäf­ti­gungs­zah­len und eine gestei­ger­te Pro­duk­ti­vi­tät haben uns die demo­gra­fi­sche Ent­wick­lung bis­her gut ver­kraf­ten las­sen. Der tech­ni­sche Fort­schritt und höhe­re Bil­dung wer­den auch zukünf­tig auch für eine wach­sen­de Pro­duk­ti­vi­tät sor­gen und damit für eine Finan­zie­rung der Ren­te“, zeigt sich der SPD-Abge­ord­ne­te zuver­sicht­lich. „Außer­dem müs­sen wird die Ver­si­cher­ten­ba­sis ver­grö­ßern. Unser Ziel als SPD ist des­we­gen eine Erwerbs­tä­ti­gen­ver­si­che­rung, in der alle zu glei­chen Bedin­gun­gen in eine Kas­se ein­zah­len. Das soll auch für Beam­tin­nen und Beam­te gel­ten – und natür­lich auch für Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te.