Klarstellungen zur Grundsteuerreform

Klarstellungen zur Grundsteuerreform

Zu mei­nem Bedau­ern wei­sen die Reak­tio­nen von Tei­len der baye­ri­schen Staats­re­gie­rung sowie inner­halb der CSU auf die Plä­ne zur Grund­steu­er­re­form eine bemer­kens­wer­te Unkennt­nis der Sys­te­ma­tik und Aus­wir­kung der Grund­steu­er auf und zei­gen deut­lich, dass die CSU gro­ße Ver­mö­gen wie­der ein­mal steu­er­lich bevor­zu­gen möch­te. Des­halb bedarf es eini­ger Klar­stel­lun­gen:

Der vor­ge­leg­te Reform­vor­schlag der Grund­steu­er ist gerecht, ent­spricht den Vor­ga­ben des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts und ist ein not­wen­di­ger Schritt, um die Finan­zie­rung der Kom­mu­nen und damit von Schu­len, Kin­der­gär­ten oder öffent­li­chem Nah­ver­kehr sicher­zu­stel­len. Die Grund­steu­er mit 14 Mil­li­ar­den Euro die dritt­größ­te Ein­nah­me­quel­le von Städ­ten und Gemein­den.

Anders als die CSU behaup­tet, betrifft der Reform­vor­schlag nicht die Höhe der Steu­er­be­las­tung (das Tarif­ni­veau), son­dern die Ver­tei­lung (die Tarif­struk­tur). Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat die bis­he­ri­ge Bemes­sung der Grund­steu­er nicht etwa nur kri­ti­siert son­dern für ver­fas­sungs­wid­rig erklärt, da die sog. Ein­heits­wer­te bis heu­te auf den Wert­ver­hält­nis­sen von 1964 (West) bzw. 1935 (Ost) basie­ren. Das bedeu­tet: Für die Immo­bi­li­en in Deutsch­land wur­de über Jahr­zehn­te – fak­tisch – ein zu hoher bzw. zu gerin­ger steu­er­li­cher Anteil zur Finan­zie­rung der kom­mu­na­len Auf­ga­ben geleis­tet. Erst durch die Neu­re­ge­lung wird wie­der eine gerech­te Besteue­rung nach den tat­säch­li­chen Grund­stücks- und Gebäu­de­wer­ten erreicht. Die von der baye­ri­schen Staats­re­gie­rung vor­ge­schla­ge­ne wert­un­ab­hän­gi­ge Grund­steu­er ent­spricht zum einen nicht den Vor­ga­ben des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts, zum ande­ren beinhal­tet er eine bewuss­te Schief­la­ge in der Steu­er­ver­tei­lung: Für gleich gro­ße Grund­stü­cke und Häu­ser in Alling, Markt Inders­dorf, Fürs­ten­feld­bruck oder Dach­au wür­den nach Wil­len der CSU die Grund­stücks­ei­gen­tü­mer genau­so viel zah­len wie Herr Hoe­neß am Tegern­see oder Grund­stücks­ei­gen­tü­mer in der Münch­ner Maxi­mi­li­an­stra­ße. Der tat­säch­li­che Wert der Grund­stü­cke und der Gebäu­de blie­be damit bei die­sem Modell unbe­rück­sich­tigt. Das Modell führt im Ergeb­nis dazu, dass für Immo­bi­li­en, die zwar eine ähn­li­che Grö­ße auf­wei­sen, sich aber im Wert deut­lich unter­schei­den, den­noch ähn­li­che Grund­steu­er­zah­lun­gen fäl­lig wer­den. So funk­tio­niert Umver­tei­lung von unten nach oben nach Vor­stel­lun­gen der CSU. Mit uns Sozi­al­de­mo­kra­ten ist das nicht zu machen. Boden wie Gebäu­de ver­mit­teln dem Immo­bi­li­en­ei­gen­tü­mer wirt­schaft­li­che Leis­tungs­fä­hig­keit. Des­halb soll die Höhe der Grund­steu­er auch künf­tig nach dem Wert des Grund­ver­mö­gens bestimmt wer­den, das heißt: Grö­ße­res Ver­mö­gen soll auch in Zukunft einen grö­ße­ren Bei­trag zur Finan­zie­rung der öffent­li­chen Auf­ga­ben leis­ten.

Die baye­ri­sche Staats­re­gie­rung sug­ge­riert dar­über hin­aus, es käme für die Bür­ge­rin­nen und Bür­ger zu mas­si­ven Mehr­be­las­tun­gen. Das ist schlicht falsch! Die abso­lu­te Belas­tung der Steu­er­pflich­ti­gen bleibt wegen der ange­streb­ten Auf­kom­mens­neu­tra­li­tät gleich. Das im Grund­ge­setz garan­tier­te Recht der Gemein­den, den Hebe­satz für die Grund­steu­er – und damit die Steu­er­hö­he – fest­zu­le­gen, bleibt unan­ge­tas­tet. Der Bun­des­ge­setz­ge­ber regelt wie bis­her nur die rela­ti­ve Ver­tei­lung der Gesamt­steu­er­last auf die Immo­bi­li­en bzw. deren Eigen­tü­mer. Das heißt: Die Gemein­den ent­schei­den mit ihrem Hebe­satz wie bis­her über die tat­säch­li­che Höhe der Grund­steu­er! Inner­halb einer Kom­mu­ne kann es jedoch zu einer Ver­schie­bung der Steu­er­last auf­grund unter­schied­li­cher Wert­ent­wick­lun­gen der Grund­stü­cke kom­men: Ver­mö­gen­de Besit­zer wert­vol­ler Grund­stü­cke müs­sen dann unter Umstän­den mehr zah­len, Eigen­tü­mer weni­ger wert­vol­ler Grund­stü­cke hin­ge­gen weni­ger. Das ist jedoch, um dies noch ein­mal zu ver­deut­li­chen, abhän­gig vom kom­mu­na­len Hebe­satz. Die Zustim­mung der kom­mu­na­len Spit­zen­ver­bän­de zu der Grund­steu­er­re­form ist des­halb ins­ge­samt groß. Erst heu­te hat der Baye­ri­sche Städ­te­tag ein Rund­schrei­ben ver­schickt, in dem es heißt: „Nach kur­so­ri­scher Prü­fung des wert­ab­hän­gi­gen Modells (WAM) erge­ben sich zunächst kei­ne grund­le­gen­den Beden­ken gegen den Rege­lungs­vor­schlag. Viel­mehr erscheint – vor­be­halt­lich einer Bewer­tung durch die Beschluss­gre­mi­en – der Modell­vor­schlag grund­sätz­lich geeig­net, alle bis­her von den Beschluss­gre­mi­en des Deut­schen Städ­te­ta­ges for­mu­lier­ten Anfor­de­run­gen an eine Grund­steu­er-Reform erfül­len zu kön­nen“.

Zu ver­meint­li­chen Miet­stei­ge­rung gilt fest­zu­hal­ten: Gera­de die CSU hat auf Lan­des- wie auf kom­mu­na­ler Ebe­ne in den letz­ten Jah­ren durch weit­ge­hen­de Untä­tig­keit beim öffent­li­chen Woh­nungs­bau und zeit­gleich dem Ver­kauf von 33.000 Woh­nung der GBW für eine Ver­schär­fung auf dem Miet­markt und für exor­bi­tan­te Miet­stei­ge­run­gen gesorgt. Da im Zusam­men­hang mit der Grund­steu­er­re­form nun auch von der CSU vor den Aus­wir­kun­gen auf die Mie­te gewarnt wird, sei dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die Umla­ge der Grund­steu­er auf die Mie­ten nicht Gegen­stand des Grund­steu­er­rech­tes, son­dern des Miet­rechts ist (Neben­kos­ten­ver­ord­nung). Bis­her war es aber die Uni­on, die ein Ver­bot der Über­wäl­zung der Grund­steu­er auf die Mie­ter in der Neben­kos­ten­ver­ord­nung ver­hin­dert hat. Zur Ver­sach­li­chung der Debat­te aber nur fol­gen­de Zah­len: Nach Erhe­bung des Deut­schen Mie­ter­bunds wur­den hier­für im Jahr 2015 durch­schnitt­lich 0,18 Euro/qm im Monat gezahlt (West: 19 Cent/Ost: 12 Cent). Den­noch hal­ten wir Sozi­al­de­mo­kra­ten unse­re For­de­rung auf­recht, die Über­wäl­zung die­ser Kos­ten auf den Mie­ter zu ver­bie­ten und freu­en uns, wenn die CSU unse­re For­de­rung nun auch unter­stüt­zen will.

Zu einer erfolg­rei­chen Koali­ti­on gehö­ren eine fun­dier­te und sach­ori­en­tier­te Arbeits­wei­se, die sich an belast­ba­ren Zah­len und Aus­sa­gen ori­en­tiert. Es wäre wün­schens­wert, wenn sich auch die CSU dar­an betei­li­gen wür­de.