Der Freistaat Bayern muss den Kommunen in der Krise helfen!

Der Freistaat Bayern muss den Kommunen in der Krise helfen!

Die Ableh­nung des kom­mu­na­len Ret­tungs­schirms des Bun­des durch die Staats­re­gie­rung ist unred­lich und bringt die baye­ri­schen Kom­mu­nen in gro­ße Schwie­rig­kei­ten. Die Bereit­stel­lung von Feu­er­wehr, Trink- und Abwas­ser, Kin­der­be­treu­ungs­plät­zen, Stra­ßen­be­leuch­tung und Stra­ßen­rei­ni­gung – dies sind nur Tei­le der Pflicht­auf­ga­ben, die die baye­ri­schen Kom­mu­nen sicher­stel­len müs­sen. Die Finan­zie­rung die­ser Auf­ga­ben erle­digt sich im Ide­al­fall mit den Gewer­be- und Ein­kom­men­steu­er­ein­nah­men. In Kri­sen­zei­ten aber stellt es die Rat­haus­chefs und ihre Stadt- und Gemein­de­rä­te vor gro­ße Pro­ble­me.

„Alle Kom­mu­nal­po­li­ti­ker hier im Land­kreis ban­gen momen­tan um die Hand­lungs­fä­hig­keit ihrer Gemein­den“, sagt Micha­el Schro­di, SPD-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ter und selbst erfah­re­ner Kom­mu­nal­po­li­ti­ker. „Kom­mu­nen müs­sen finan­zi­ell auf soli­den Bei­nen ste­hen. Auf­grund der Coro­na-Kri­se bre­chen aber der­zeit in fast allen Städ­ten und Gemein­den die Gewer­be­steu­er­ein­nah­men ein.“ Die aktu­el­le Steu­er­schät­zung geht davon aus, dass in die­sem Jahr allein bei der Gewer­be­steu­er mit 12 Mil­li­ar­den Euro Min­der­ein­nah­men zu rech­nen ist. Das wird abseh­bar dazu füh­ren, dass Kom­mu­nen ihren Pflicht­auf­ga­ben nicht nach­kom­men kön­nen oder bei den sog. frei­wil­li­gen Leis­tun­gen kür­zen müs­sen. Das gilt es zu ver­hin­dern.

Die SPD mit ihrem Bun­des­fi­nanz­mi­nis­ter Olaf Scholz will den Kom­mu­nen bei der Über­win­dung der schwie­ri­gen Finanz­si­tua­ti­on hel­fen und hat hier­zu einen belast­ba­ren Vor­schlag gemacht. Unter ande­rem will der Bund die Hälf­te aller Gewer­be­steu­er­aus­fäl­le über­neh­men, die ande­re Hälf­te müss­te der Frei­staat tra­gen. Doch der wei­gert sich.

„Zustän­dig für die Kom­mu­nal­fi­nan­zen ist der Frei­staat Bay­ern. Herr Söder steht in der Pflicht, die Belas­tun­gen abzu­fe­dern“, ärgert sich Schro­di. „Wohl­fei­le Wor­te des Minis­ter­prä­si­den­ten rei­chen nicht – bis heu­te hat die Staats­re­gie­rung kein Kon­zept zur Ret­tung der baye­ri­schen Kom­mu­nen vor­ge­legt! Statt­des­sen lehnt Herr Söder die Hilfs­gel­der des Bun­des ab. Das ist unred­lich und gefähr­det die Finanz­kraft der baye­ri­schen Kom­mu­nen.“

Abge­lehnt wird der Vor­schlag unter ande­rem wegen der geplan­ten Alt­schul­den­hil­fe. Dabei muss Bay­ern die­se gar nicht in Anspruch neh­men und zahlt dafür auch kei­nen Cent. Viel­mehr pro­fi­tiert der Frei­staat Bay­ern enorm vom Hilfs­pa­ket der Bun­des­re­gie­rung, betont Micha­el Schro­di: „Beson­ders die struk­tur­star­ken baye­ri­schen Kom­mu­nen haben teils hohe Gewer­be­steu­er­ein­nah­men, die ihnen nun weg­bre­chen. Mit den SPD-Vor­schlä­gen erhal­ten die Städ­te und Gemein­den in Bay­ern Pla­nungs­si­cher­heit, da die­se Aus­fäl­le ersetzt wer­den. Wenn Herr Söder die­ses groß­zü­gi­ge Ange­bot nicht annimmt, setzt er per­sön­li­che Eitel­kei­ten vor das Wohl­erge­hen der Kom­mu­nen.“

Und auch für das von Bun­des­fi­nanz­mi­nis­ter Scholz ange­kün­dig­te gro­ße Kon­junk­tur­pro­gramm zur wirt­schaft­li­chen Über­win­dung der Coro­na-Kri­se wer­den hand­lungs­fä­hi­ge Kom­mu­nen gebraucht. „Ein Groß­teil der öffent­li­chen Inves­ti­tio­nen fin­det in den Kom­mu­nen statt. Ihre Finanz­kraft ent­schei­det damit auch über die Zukunfts­fä­hig­keit Deutsch­lands“, ver­deut­licht Micha­el Schro­di, war­um ein kom­mu­na­ler Ret­tungs­schirm mit einer kom­bi­nier­ten Alt­schul­den­hil­fe jetzt so wich­tig ist. „Kom­mu­na­le Spar­pro­gram­me zum jet­zi­gen Zeit­punkt wären öko­no­misch unsin­nig, weil sie eine Wie­der­be­le­bung der Kon­junk­tur abwür­gen könn­ten und wich­ti­ge Inves­ti­tio­nen in die kom­mu­na­le Infra­struk­tur ver­hin­dern.“ Deutsch­land müs­se jetzt soli­da­risch zusam­men­ste­hen und auch den Kom­mu­nen hel­fen, die durch einen tief­grei­fen­den Struk­tur­wan­del in finan­zi­el­le Schief­la­ge gera­ten sind. „Die CSU ist schnell dabei nach Abwrack­prä­mi­en für baye­ri­sche Auto­bau­er zu rufen, doch wenn es um die Kom­mu­nen geht, ist es mit der Soli­da­ri­tät nicht weit her. Mit solch baye­ri­scher Klein­staa­te­rei funk­tio­niert ein föde­ra­ler Bun­des­staat schlicht nicht!“