Das "Nie wieder" beginnt zu bröckeln!

Das "Nie wieder" beginnt zu bröckeln!

Kat­rin Staff­ler soll sich von unsäg­li­chen Aus­sa­gen des CDU/C­SU-Kanz­ler­kan­di­da­ten Merz distan­zie­ren

Beim Gedenk­akt für die Opfer des Natio­nal­so­zia­lis­mus in Dach­au am ver­gan­ge­nen Don­ners­tag warn­te die Land­tags­prä­si­den­tin Ilse Aigner vor dem böckeln­den „Nie wie­der“ und der Gefahr für unse­re Demo­kra­tie durch den Rechts­extre­mis­mus. Kei­ne 24 Stun­den spä­ter kün­digt der CDU-Vor­sit­zen­de Merz für die CDU/CSU an, ent­ge­gen der Ver­laut­ba­run­gen vor weni­gen Wochen, auch Mehr­hei­ten mit der rechts­ra­di­ka­len AfD nut­zen zu wol­len. „In einer Zeit, in der ver­ant­wor­tungs­vol­le Poli­ti­ker küh­len Kopf bewah­ren und das Land zusam­men­hal­ten soll­ten, ist Herr Merz unbe­herrscht, ohne inne­ren Wer­te­kom­pass und gießt Öl ins Feu­er. Herr Merz zeigt erneut: Ihm sind alle Mit­tel recht, sei­ne per­sön­li­chen Zie­le zu errei­chen“, sagt Micha­el Schro­di fas­sungs­los. „Das scha­det dem gesell­schaft­li­chen Frie­den, dem Wohl­stand und der Demo­kra­tie auch in unse­rem Wahl­kreis. Ich for­de­re die ört­li­che CSU-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te auf, Scha­den abzu­wen­den und sich deut­lich von Fried­rich Merz zu distan­zie­ren!“

Das Vor­ge­hen der CDU/CSU und ihres Kanz­ler­kan­di­da­ten Merz ist in mehr­fa­cher Hin­sicht völ­lig inak­zep­ta­bel und schäd­lich:

Die grund­sätz­li­che Ver­en­gung des The­mas Migra­ti­on auf die Grenz­schlie­ßung für bestimm­te Men­schen ist falsch und gleicht der AfD-Poli­tik. Die von Herrn Merz noch am Tag des Atten­tats gestell­ten For­de­run­gen sind zudem rechts­wid­rig, wer­den von zahl­rei­chen Exper­ten wie Ver­tre­tern der Gewerk­schaft der Poli­zei als nicht pra­xis­taug­lich ein­ge­stuft und sind damit schlicht gefähr­li­cher rech­ter Popu­lis­mus. „Die vor­ge­schla­ge­nen Grenz­schlie­ßun­gen füh­ren nicht zu mehr, son­dern zu weni­ger Sicher­heit“, betont Micha­el Schro­di. „Statt auf euro­päi­sche Koope­ra­ti­on setzt Herr Merz auf natio­na­le Allein­gän­ge. Unse­re euro­päi­schen Nach­barn wer­den sol­che ekla­tan­ten Rechts­brü­che Deutsch­lands nicht hin­neh­men. Das bedeu­tet am Ende mehr Unsi­cher­heit als zuvor!“

Sol­che natio­na­len Allein­gän­ge zer­stö­ren die Basis der ver­tief­ten euro­päi­schen Uni­on, von der Deutsch­land über Jahr­zehn­te pro­fi­tiert hat. Offe­ne Gren­zen, frei­er Waren- und Kapi­tal­ver­kehr und Arbeits­kräf­te­zu­wan­de­rung waren die Vor­aus­set­zung, dass Deutsch­land zur dritt­stärks­ten Wirt­schafts­na­ti­on der Welt auf­ge­stie­gen ist. Vie­le Unter­neh­men und Arbeits­plät­ze in den Land­krei­sen Fürs­ten­feld­bruck und Dach­au sind von die­sen Errun­gen­schaf­ten abhän­gig. „Es ist ein grund­le­gen­der Irr­tum rech­ter Popu­lis­ten, Frei­heit und Wohl­stand lie­ßen sich mit geschlos­se­nen Gren­zen, Zöl­len und chau­vi­nis­ti­schen Natio­nal­staa­ten ver­tei­di­gen, ohne zugleich die Grund­la­gen zu zer­stö­ren.“ Und Micha­el Schro­di macht deut­lich: „Ich wer­de gegen die Vor­ha­ben von Herrn Merz und der CDU/CSU stim­men, denn die­se wür­de die Grund­la­gen unse­res Wohl­stands, unse­rer Frei­heit und unse­rer Demo­kra­tie fun­da­men­tal in Fra­ge stel­len“, gibt sich der SPD-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te kämp­fe­risch.

Noch vor weni­gen Wochen gab es von Herrn Merz und Herrn Söder zwei Ver­spre­chen: Man wer­de im Bun­des­tag nur Anträ­ge ein­brin­gen, die eine Mehr­heit bei den demo­kra­ti­schen Par­tei­en fin­det. Und Öster­reich sei kein Vor­bild, man wer­de nicht wie die öster­rei­chi­schen Kon­ser­va­ti­ven mit den Rechts­ra­di­ka­len zusam­men­ar­bei­ten. Nun erklärt Fried­rich Merz, der noch 2022 bei sei­ner Wahl zum Par­tei­vor­sit­zen­den getönt hat, er wer­de die Wäh­ler­stim­men der AfD hal­bie­ren, es sei ihm egal, mit wes­sen Unter­stüt­zung CDU/CSU ihre Anträ­ge im Bun­des­tag durch­brin­gen – ggf. auch mit Stim­men der rechts­ra­di­ka­len AfD. „Dies ist das fak­ti­sche Auf­wei­chen der Brand­mau­er gegen Rechts­extre­me und öff­net der AfD die Tür zu Ein­fluss und Nor­ma­li­sie­rung auf der Bun­des­ebe­ne“, erklärt Schro­di. Das zei­ge: Auf Fried­rich Merz und sei­ne CDU/CSU ist kein Ver­lass! Weder jetzt noch nach der Bun­des­tags­wahl. Oder wie es Bun­des­kanz­ler Hel­mut Schmidt über Franz Josef Strauß sag­te: „Die­ser Mann hat kei­ne Kon­trol­le über sich. Und des­halb darf er auch kei­ne Kon­trol­le über unse­ren Staat bekom­men.“