Wir brauchen eine gerechte Grundsteuer – Welches Modell kann das leisten?

Wir brauchen eine gerechte Grundsteuer – Welches Modell kann das leisten?

Am 10. April 2018 hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt das Ver­fah­ren zur Bemes­sung der Grund­steu­er für ver­fas­sungs­wid­rig erklärt. Der Gesetz­ge­ber hat nun bis Ende 2019 Zeit, ein neu­es Ver­fah­ren aus­zu­ar­bei­ten. Die Neu­re­ge­lung muss dann bis spä­tes­tens 2025 grei­fen. Auch wenn wir noch ganz am Anfang der Debat­te ste­hen, möch­te ich hier einen kur­zen Über­blick geben.

Hin­ter­grund:

Die Grund­steu­er ist eine Sub­stanz­steu­er auf das Eigen­tum an Grund­stü­cken. Da sie in Neben­kos­ten umge­legt wer­den darf, betrifft sie aller­dings nicht nur Eigen­tü­mer, son­dern auch Mie­ter. Das Auf­kom­men aus der Grund­steu­er wird den Kom­mu­nen zuge­wie­sen und ist mit etwa 14 Mil­li­ar­den Euro neben der Gewer­be­steu­er deren wich­tigs­te Ein­nah­me­quel­le.

Bis­her wur­de die Grund­steu­er auf Basis von soge­nann­ten Ein­heits­wer­ten berech­net, die durch Anwen­dung einer Steu­er­mess­zahl in einen Grund­steu­er­mess­be­trag umge­rech­net wer­den. Die Ein­heits­wer­te stam­men in West­deutsch­land aus dem Jahr 1964 und spie­geln die damals ermit­tel­ten Grund­stücks­wer­te wie­der. Eigent­lich war laut Gesetz eine Neu­be­wer­tung alle sechs Jah­re vor­ge­se­hen, zu der es auf­grund des enor­men Auf­wands nie kam. Statt­des­sen haben die Kom­mu­nen den Hebe­satz, den sie auf den Grund­steu­er­mess­be­trag anwen­den dür­fen, immer wei­ter ange­ho­ben. Im Durch­schnitt liegt die­ser inzwi­schen bei 464 %, mit einer wei­ten Span­ne von 80 bis zu 910 %.

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat nun geur­teilt: „Das Fest­hal­ten des Gesetz­ge­bers an dem Haupt­fest­stel­lungs­zeit­punkt von 1964 führt zu gra­vie­ren­den und umfas­sen­den Ungleich­be­hand­lun­gen bei der Bewer­tung von Grund­ver­mö­gen, für die es kei­ne aus­rei­chen­de Recht­fer­ti­gung gibt.“

Der­zeit wer­den vor allem drei Model­le für eine Grund­steu­er­re­form dis­ku­tiert:

Modell 1: Das Flä­chen­mo­dell

Bei die­sem Modell wür­de die Steu­er nur nach der Flä­che von Grund­stück und Gebäu­de erho­ben, unab­hän­gig vom Wert. Denk­bar wäre ein Pau­schal­mo­dell, bei dem ein Qua­drat­me­ter Grund­stück mit z.B. zwei Cent und ein Qua­drat­me­ter Woh­nung mit 30 Cent belegt wird.

Wert­stei­ge­run­gen wer­den in die­sem Modell nicht ein­be­zo­gen, wes­we­gen Eigen­tü­mer und Mie­ter in Regio­nen mit beson­ders hohen Wert­stei­ge­run­gen geschont wür­den. Gleich­zei­tig wer­den aber Kom­mu­nen auch nicht an Boden­wert­stei­ge­run­gen betei­ligt. Schlech­te Lagen wer­den genau­so besteu­ert wie gute. Frag­lich ist, ob die­ses Modell über­haupt ver­fas­sungs­ge­mäß wäre.

Unter­stüt­zer: u.a. Bay­ern und Ham­burg. Ver­bän­de wie Haus & Grund.

Modell 2: Die Boden­wert­steu­er

Die Grund­steu­er wür­de bei die­sem Model nur auf Basis der Boden­wer­te erho­ben, die bereits jetzt alle zwei Jah­re von Gut­ach­ter­aus­schüs­sen berech­net wer­den und die aktu­el­le Markt­la­ge wie­der­spie­geln. Ziel ist die Besteue­rung des knap­pen Guts Boden, wäh­rend Inves­ti­tio­nen in den Woh­nungs­bau nicht zu Steu­er­erhö­hun­gen füh­ren sol­len.

Mehr­fa­mi­li­en­häu­ser wür­den ent­las­tet, was Wohn­raum­knapp­heit und Zer­sie­de­lung ent­ge­gen­wir­ken soll, wäh­rend die rela­ti­ve Belas­tung von Brach­flä­chen stei­gen wür­de. Dies wirkt als Anreiz, um Wohn­häu­ser zu errich­ten und Flä­chen effi­zi­ent zu nut­zen. Es wür­de aber auch eine höhe­re Belas­tung für Mie­ter in bereits teu­ren Lagen und Bal­lungs­zen­tren bedeu­ten. Bewoh­ner von Luxus­im­mo­bi­li­en wür­den genau­so belas­tet wie die von benach­bar­ten Schrott­im­mo­bi­li­en. Es ist zudem frag­lich, ob die rela­tiv höhe­re Steu­er auf Brach­flä­chen tat­säch­lich Anreiz genug ist, um den Bau eines Mehr­fa­mi­li­en­hau­ses im Wert von vie­len Hun­dert­tau­send Euro anzu­sto­ßen. Und schließ­lich stel­len Kri­ti­ker auch hier die Fra­ge der Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit.

Unter­stüt­zer: Ver­bän­de und Insti­tu­tio­nen wie der Deut­sche Mie­ter­bund und der BUND.

Modell 3: Das Kos­ten­wert-Model­l/ „Bun­des­rats­in­itia­ti­ve“

Ziel die­ses Modells ist ein pau­scha­li­sier­ter Ver­kehrs­wert aus der Sum­me des Boden­wer­tes und eines Gebäu­de­wer­tes. Wäh­rend der Boden­wert wie bei Modell 2 rela­tiv schnell ermit­telt wür­de, beruht der Gebäu­de­wert auf der Brut­to­grund­flä­che der Häu­ser und pau­scha­li­sier­ten Her­stel­lungs­kos­ten dif­fe­ren­ziert nach Alters­grup­pen und 19 Gebäu­de­ar­ten. Die Steu­er rich­tet sich also nicht nach dem Markt­wert, son­dern nach dem Kos­ten­wert, das heißt, den Kos­ten für das Grund­stück und die Bebau­ung. Wegen Alters­min­de­rung kön­nen je nach Bau­jahr bis zu 70 Pro­zent des Wer­tes abge­zo­gen wer­den.

Die­ses Modell kommt einer rea­lis­ti­schen Bewer­tung der Grund­stü­cke und ihres Wer­tes am nächs­ten. Kri­ti­ker bemän­geln aller­dings die ungleich höhe­re Besteue­rung von Neu­bau­ten, die sinn­vol­le Inves­ti­tio­nen bestra­fen wür­de. Ohne Redu­zie­rung des Hebe­sat­zes wäre zudem eine mas­si­ve Grund­steu­er­erhö­hung vor­pro­gram­miert. Frag­lich ist, ob eine Neu­be­rech­nung der 35 Mil­lio­nen Grund­stü­cke in der vor­ge­se­he­nen knap­pen Zeit mög­lich ist. Und auch hier fra­gen Kri­ti­ker auf­grund der Ori­en­tie­rung an pau­schal ermit­tel­ten Bau­kos­ten nach der Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit.

Unter­stüt­zer: Abstim­mung im Bun­des­rat 14:2 gegen die Stim­men von Bay­ern und Ham­burg. Deut­scher Städ­te­tag.

Mein per­sön­li­ches Fazit:

Für mich sind zwei Aspek­te wich­tig. Ers­tens: Die Grund­steu­er muss als wich­ti­ge Ein­nah­me­quel­le der Kom­mu­nen erhal­ten blei­ben. Wir dür­fen auf kei­nen Fall ris­kie­ren, dass die­se Ein­nah­me­quel­le weg­bricht. Wir müs­sen uns daher auf ein auf­kom­mens­neu­tra­les Modell eini­gen.

Zwei­tens: Der Wert des Besteue­rungs­ge­gen­stan­des muss in die Berech­nung mit ein­be­zo­gen wer­den. Ein rein flä­chen­ba­sier­tes Modell leh­ne ich daher ab. Das Kos­ten­wert­mo­dell ist das Modell, das am bes­ten die Wert­ent­wick­lung wie­der­gibt. Es ist zu klä­ren, ob die Neu­be­wer­tung von Grund­stück und Bebau­ung in der vor­ge­ge­be­nen Zeit umzu­set­zen ist.

Eines muss aber klar­ge­stellt wer­den: Der Bund schafft die neue Bemes­sungs­grund­la­ge, über die Hebe­sät­ze und damit über höhe­re oder nied­ri­ge­re Ein­nah­men bestim­men wei­ter­hin die Kom­mu­nen.