Aktuelle Daten und Zahlen müssen Grundlage für Kita- und Schulentscheidungen sein

Aktuelle Daten und Zahlen müssen Grundlage für Kita- und Schulentscheidungen sein

Bei den Coro­na­maß­nah­men bedarf es einer stän­di­gen Abwä­gung, ob die gewähl­ten Mit­tel ange­mes­sen sind. Die Ant­wort von Land­rat Kar­ma­sin auf die Anfra­ge bezüg­lich der Wech­sel­un­ter­richt-Rege­lun­gen an den Schu­len im Land­kreis Fürs­ten­feld­bruck wirft neue Fra­gen auf.

In der Coro­na-Pan­de­mie ist es not­wen­dig, schnell und effek­tiv auf das stei­gen­de Infek­ti­ons­ge­sche­hen zu reagie­ren. Im Mit­tel­punkt steht der Schutz der Bür­ge­rin­nen und Bür­ger und das Grund­recht auf kör­per­li­che Unver­sehrt­heit. Die getrof­fe­nen Maß­nah­men müs­sen jedoch stets gut begrün­det und ver­hält­nis­mä­ßig sein.

Land­kreis Dach­au: Nur 4 von 151 Infek­ti­ons­fäl­len in Schu­len

Hier­zu bedarf es für die im Land­kreis Fürs­ten­feld­bruck getrof­fe­nen Maß­nah­men an den Schu­len und Kin­der­ta­ges­stät­ten einer soli­den Daten­ba­sis. Für den Land­kreis Dach­au gibt es aktu­el­le Zah­len, wo sich die Infi­zier­ten in den letz­ten zehn Tagen mit COVID 19 ange­steckt haben. Dort sind von 151 neu­en Infek­ti­ons­fäl­len nur vier in Schu­len zu ver­or­ten – und ein Wech­sel­un­ter­richt wur­de bis­lang nicht ange­ord­net.

Über die Fra­ge, wo sich die Men­schen im Land­kreis Fürs­ten­feld­bruck mit COVID 19 infi­ziert haben, und ob, wie in Dach­au, sich nur ein gerin­ger Anteil der Neu­in­fek­tio­nen an Schu­len ver­or­ten las­sen, gibt es bis­her kei­ne öffent­lich ein­seh­ba­ren und detail­lier­ten Zah­len. „Zumin­dest sind sie auf den offi­zi­el­len Sei­ten des Land­rats­am­tes nicht auf­find­bar“, so Schro­di. „Ich wer­de daher Land­rat Kar­ma­sin dar­um bit­ten, die­se Zah­len bereit­zu­stel­len, um auf die­ser Grund­la­ge die bis­her getrof­fe­nen Maß­nah­men an den Schu­len zu dis­ku­tie­ren. Es soll­te sehr gut begrün­det sein, dass Recht auf Bil­dung in der Schu­le im Prä­senz­un­ter­richt ein­zu­schrän­ken.“

Kin­der und Jugend­li­che sind nicht Trei­ber der Pan­de­mie

„Kin­der und Jugend­li­che sind nicht Trei­ber der Pan­de­mie in Schu­len“, wird die Prä­si­den­tin der Kul­tus­mi­nis­ter­kon­fe­renz, Ste­fa­nie Hubig, SPD, zitiert, die wei­ter sagt, dass wir dafür sor­gen müs­sen, dass sie – die Schü­le­rin­nen und Schü­ler – „ihr Recht auf Bil­dung in der Schu­le im Prä­senz­un­ter­richt ver­wirk­li­chen kön­nen“.

Das Prin­zip Wech­sel­un­ter­richt an Grund­schu­len aber sieht vor, dass jeweils die Hälf­te Kin­der und Jugend­li­cher einer Klas­se jeden zwei­ten Tag mit dem an die­sem Tag vor­ge­se­hen Unter­richt beschult wer­den soll – also all die Fächer, die nor­ma­ler­wei­se auf dem Stun­den­plan ste­hen. „Für wei­ter­füh­ren­de Schu­len mit sehr vie­len Haupt- und Neben­fä­chern ist die ‚nor­ma­le‘ Stun­den­plan­re­ge­lung viel­leicht ange­mes­sen. Aber ist sie sinn­voll an Grund­schu­len?“, fragt sich Schro­di. „Zwei­fel­los ist die Kom­pe­tenz­er­wei­te­rung und für die Ent­wick­lung für Kin­der der Unter­richt in allen Schul­fä­chern rich­tig und wich­tig! Müs­sen aber Kunst, Sport, Musik, Reli­gi­on in sol­chen Zei­ten bedin­gungs­los berück­sich­tigt wer­den? Grund­sätz­lich gibt der ehe­ma­li­ge Gym­na­si­al­leh­rer zum aktu­el­len Modell zu beden­ken, dass dies viel­leicht noch für wei­ter­füh­ren­de Schu­len eine Opti­on sei. Schro­di ergänzt: „Kann man die Kapa­zi­tä­ten, die für den Fach­un­ter­richt in Grund­schu­len gebraucht wer­den, denn nicht bes­ser für die tat­säch­lich und im Wort­sinn not­wen­di­ge Not­be­treu­ung ver­wen­den?“ Dies sei eine Fra­ge, die das Kul­tus­mi­nis­te­ri­um zeit­nah beant­wor­ten muss.