Erwiderung zum Kommentar „Blinde Kuh“ auf Makroskop

Als Abonnent von Makroskop habe ich mit großem Interesse den Kommentar „Blinde Kuh“ vom 24.6.2019 zu unserem Positionspapier zur Wirtschaft-und Finanzpolitik und den zu diesem Papier verfassten Gastbeitrag in der FAZ „SPD-Politiker fordern Umbruch: So kann es nicht weitergehen!“ vom 15.6.2019 gelesen.

In diesem Kommentar macht uns der Autor zum Vorwurf, die Einkommensverteilung – und ich möchte ergänzen: man hätte in sauberer Abgrenzung auch die Vermögensverteilung nennen müssen – nicht thematisiert zu haben. Der Autor kommt so zu seinem recht negativen Urteil über unser Positionspapier.

Wenn man, wie in seinem Kommentar zu lesen ist, den Bedarf für die SPD als politische Kraft sieht, damit dieses Land eine sozialdemokratische Perspektive hat, darf ich als Abonnent und als einer der Autoren dieses Papiers davon ausgehen, dass das Papier in Gänze gelesen wurde. Unerklärlich ist dann jedoch, wie man zu dem von mir oben wiedergegebenen Urteil kommt. Ich darf aus unserem Positionspapier zitieren:

„Zum anderen muss Finanzpolitik durch eine leistungsgerechte Steuerpolitik die gesellschaftlich wie volkswirtschaftlich schädliche Ungleichheit von Einkommen und Vermögen verringern.“

Und weiter:

„In den letzten Jahrzehnten sind die Vermögenden und Reichen finanziell geschont oder sogar entlastet worden, oft auf Kosten der Menschen, die über niedrige und mittlere Einkommen verfügen. Diese Entwicklungen wollen wir umkehren. Sozialdemokratische Wirtschafts- und Finanzpolitik bringen eine solide Finanzierung öffentlicher Haushalte und Verteilungsgerechtigkeit zusammen. Die Steuereinnahmen aus Gewinn- und Vermögenseinkommen tragen gerade einmal ein Fünftel zum gesamten Steueraufkommen bei. Unternehmen zahlen auf ihre Gewinne effektiv weniger als 20 Prozent Steuern. Dabei profitieren große Konzerne von ihren aggressiven Steuervermeidungsstrategien. Große Vermögen und Wertsteigerung werden oftmals leistungslos erworben, beispielsweise bei Wertsteigerung von Grund und Boden. Die Erben großer Vermögen führen an den Fiskus lediglich drei Prozent ab. Nur eine leistungsgerechte Steuerbeteiligung aller kann letztlich dazu beitragen, dass Investitionen und Innovationen zu einem höheren Lebensstandard für alle führen. Die Wiedererhebung der Vermögensteuer mit progressiver Ausgestaltung ist dazu ebenso notwendig wie eine effektive Besteuerung von Millionen-Erbschaften. Gleiches gilt für eine Steuer auf alle Finanztransaktionen sowie die Besteuerung von Kapitaleinkünften konsequent nach dem Einkommensteuersatz. Die Wertsteigerung bei Grund und Boden, die durch öffentliche Investitionen erst möglich gemacht wurden, sollen über eine Bodenwertzuwachssteuer wieder in die öffentlichen Haushalte zurückfließen. Ein Ende des Solidaritätszuschlages auch für die oberen zehn Prozent der Einkommensbeziehenden kann es dann geben, wenn dieser Personenkreis einen entsprechend höheren Beitrag in der Einkommensteuer leistet“.

Auch zur Primärverteilung, also zur Entwicklung von Löhnen und Gehältern, haben wir uns geäußert:

„Die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung entscheidet maßgeblich über die Lebens- und Entwicklungschancen der Bevölkerung. Der moderne Kapitalismus ist geprägt durch große wirtschaftliche Schwankungen und eine ungleiche Verteilung von Einkommen und Vermögen. Mit Hilfe makroökonomischer Stabilisierung (Geld-, Fiskal- und Lohnpolitik) können wirtschaftliche Einbrüche besser abgefedert und schneller überwunden werden“.

Unser Papier hat auf sieben Seiten knapp zusammengefasst, auf welchen Weg sich die Sozialdemokratie in der Wirtschafts- und Finanzpolitik machen soll. Dieses Papier ist dazu ein erster Impuls, eine Diskussionsgrundlage, kein abgeschlossenes Programm. Wir wollen eine Diskussion über unsere Vorstellungen, gerne kritisch und kontrovers, aber doch unter der Bedingung, dass die Inhalte auch vollständig erfasst und berücksichtigt werden. Damit Ihr Wunsch, dass unsere Gesellschaft wieder eine starke SPD und eine starke sozialdemokratische Perspektive hat, in Erfüllung geht.

Im Namen der fünf Autorinnen und Autoren:

  • Wiebke Esdar
  • Cansel Kiziltepe
  • Sarah Ryglewski
  • Swen Schulz
  • Michael Schrodi
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